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Grusswort von MdB Dr. Alexander Neu

22.04.2020 - Der Bundestagsabgeordnete Dr. Alexander Neu (Die Linke) übersandte uns anlässlich unserer Aktion "Wir erinnern uns" ein Grusswort zum Gedenken an den Tag der Befreiung vom Nationalsozialismus am 8. Mai. 

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Bildquelle: By Foto-AG Gymnasium Melle - Own work, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=35298392


Grusswort zum 8. Mai 2020

Der 8. bzw. 9. Mai ist ein besonderer Tag.  Der endgültige Sieg über Nazi-Deutschland wurde an diesem Tag besiegelt. Dass dieser Tag in Deutschland immer noch nicht bundesweit als ein Gedenk- und Feiertag gewürdigt wird, ist ein Skandal und sagt einiges über das Selbstverständnis der deutschen Eliten und die Aufarbeitung der nationalsozialistischen Vergangenheit aus. Auch wenn in Berlin der 8. Mai zum Feiertag erklärt wurde, so gilt diese Festlegung nur für den 8. Mai 2020. Danach soll es wieder ein "normaler Tag" sein. Nur, was kann normal sein, wenn rund 60 Millionen Menschenleben ausgelöscht, weit mehr Menschen körperlich und seelisch verletzt und der Holocaust das Resultat eines vom faschistischen Deutschland losgetretenen imperialistischen und Rassenkrieges ist? Ich fordere daher, dass die Menschen in Deutschland jedes Jahr am 8. Mai mit diesen Taten konfrontiert werden müssen. So wie auch in vielen Ländern Europas der 8. Mai ein Gedenktag ist, so muss er auch erst Recht in Deutschland, dem Land der Täter, einer werden. 

Die mit Abstand meisten Opfer dieses Krieges waren die Menschen der Sowjetunion. Der Vernichtungskrieg im Osten hatte eine noch ganz andere Qualität als der Krieg gegen Frankreich und England. Es geht nicht darum, Opfer gegeneinander aufzuwiegen. Dass wäre durch nichts zu rechtfertigen. Es muss jedoch darauf hingewiesen werden, wo die Faschisten neben der systematischen Vernichtung der Jüdinnen und Juden in Europa besonders gewütet haben: 

27 Millionen BürgerInnen der Sowjetunion. Rund die Hälfte waren Zivilisten. Sie wurden auf vielfältige Weise ermordet. Allein aus diesem Grunde sollte die deutsche Politik sich gegenüber Russland und den anderen post-sowjetischen Staaten und deren Bevölkerung in Sachen Kritik mehr als zurückhalten. Dieses Recht hat Deutschland nicht! Im Gegenteil: Etwas mehr Demut gegenüber auch diesen Opfern und ihren Nachfahren ist notwendig. 

Allein über drei Millionen sowjetische Kriegsgefangene wurden in Deutschland dem Hungertod, der Folter und Ermordung ausgesetzt. Viele Millionen Zwangsarbeiter mussten in der deutschen Landwirtschaft und der Industrie - auch Rüstungsindustrie - als Sklaven den Krieg am Laufen halten. Vielfache sexuelle Gewalt gegenüber weiblichen Zwangsarbeiterinnen, die nie öffentlich gemacht und diskutiert wurde. All das geht auf das Konto des deutschen Faschismus. Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen wie auch gefangene sowjetische Soldaten liegen in der deutschen Erde an vielen Stellen. Sie sind niemals wieder in ihre Heimat zurückgekehrt. Es ist ein Akt des menschlichen Anstands, diese Orte in Deutschland mindestens am 8. Mai aufzusuchen und den Opfern zu gedenken, die Gräber zu pflegen und die Geschichte den Nachkommen schonungslos zu vermitteln. Ich bin Anfang Oktober 2019 in Wolgograd (Stalingrad) gewesen. Dort habe ich auch einen Soldatenfriedhof besucht. Sowjetische Soldaten auf der einen, deutsche Soldaten auf der anderen Seite. Hundertausende von ihnen sind dort begraben - fernab ihrer Heimat. Aber diese Soldaten, die Wehrmachtssoldaten waren die Aggressoren, nicht die Opfer. Dass ist der große Unterschied zu den in Deutschland begrabenen sowjetischen Soldaten. 

Mit Respekt vor den Opfern des Faschismus

Dr. Alexander S. Neu, MdB – Osteuropabeauftragter der Bundestagsfraktion DIE LINKE

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